Des Pudels DDR

Etwas verspätet, aber trotzdem von Herzen.
Im Sommer 1988 fuhr Familie Pudel hinter den eisernen Vorhang. Die kindlichen Erinnerungen kamen zum Jubiläum des Mauerfalls wieder hoch. Wie wir an der Grenze gefilzt wurden, wie Sista in ihrer Naivität die „eiserne Wand“ suchte, wie ich vor Angst zitterte, als ich merkte, dass ich fünf Franken über die Grenze schmuggelte, wie wir von den VoPos rausgewunken wurden, ob wir denn auch ein gültiges Visum hätten, wie die kleine Cousine jedes Wasserloch für die Ostsee hielt, wie wir die Esel bei der Wartburg streichelten, wie wir Luthers Tintenfleck suchten, wie ich verwundert war, dass die Ostverwandschaft keinen Farbfilm kaufen konnte, wie wir in Thüringen Club Cola tranken, die zwar wunderbar schäumte aber nicht wie Cola schmeckte, wie ich keine der mitgebrachten Bananen essen durfte, wie ich mich wunderte, dass der Cousin russisch in der Schule lernte und Beatles von alten Tonbändern hörte und schlussendlich wie wir ein gutes Jahr später vor dem Fernseher sassen und Sista das legendäre „dass ich das noch erleben darf“ über die Lippen kam.

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2 Antworten zu “Des Pudels DDR

  1. Toll geschrieben und die Weihnachtsdekoration ist auch ganz toll gelungen.

  2. Und weil alles so toll ist: Whoooo-oooo!

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