ungewohnte gefühle

eigentlich bin ich ein mensch, der immer schon unter fernweh litt. so verbrachte ich auch mit siebzehn ein schuljahr weit weg von zuhause. ich wollte die welt erobern. dass ich dann in einem kleinstkaff gelandet bin, ist eine randnotiz der geschichte. viel hab ich gelernt in dem jahr bei den amis; viel über mich selbst, über meinen blick auf die welt und nicht zu letzt über das land, dass mich aufgenommen hat. so hat man wenigstens das gefühl, die mentalität der menschen abseits von new york und los angeles ein wenig zu verstehen. um so erfreuter war ich also, als ich am 4. november in prag das ergebnis der historischen wahl erfahren durfte. 

während meines studiums zog es mich dann erneut in die fremde. dieses mal sollte es ohne den geschützen rahmen von gasteltern funktionieren und tatsächlich, mein jahr in berlin war der hammer. viel studiert hab ich zwar nicht in der zeit, aber gebracht hat es mir unendlich viel. es war eine gute zeit.

jetzt bin ich erneut weg von zu hause und eigentlich müsste ich der glücklichste mensch auf erden sein, aber aufs alter entwickelt der pudel komische marotten. plötzlich mischen sich heimwehgefühle ein. ein konzept, das ich bis anhin gar nicht kannte, wenn man mal einen kleinen anflug von heimweh im alter von acht in der toskana ausklammert. ich sitze im geliebten berlin und sehne mich nach basel und seinen bewohnern. wie gerne würde ich morgens in meinem bett aufwachen, mich auf mein velo schwingen und in die mitte oder ins stoffero radeln und da meinen morgenkaffee trinken. wahrscheinlich würde ich noch den einen oder anderen bekannten antreffen und ein pläuschchen halten können. abends würde ich ins grenzwert gehen und beim schwager ein staropramen trinken. ab und an gäb es eine taburunde mit den freunden – herr nasobem und ich würden natürlich wie immer gewinnen – oder ich würde einfach in meiner wohnung sitzen und mich über die taubenplage ärgern. 

diese woche war herr anananas mit seinem ehemaligen mitbewohner zu besuch und haben mir etwas basel mitgebracht. schönes schweizerdeutsch, auch wenn wir uns über die korrekte aussprache des öfteren in den haaren lagen, lecker parisienne und schweizer gemütlichkeit. das tat gut. in den letzten wochen hat es sich so eingebürgert, dass freitagas der telefonabend der pudelsistas ist. da wird über gott und die welt diskutiert, bilder hin und her gemailt und und und. was sind wird doch für arme kinder, dass wir den freitagabend statt in einer bar am telefon verbringen. das liegt vermutlich auch daran, dass wir beide samstags arbeiten, wenn das gemeine volk das sogenannte wochenende zelebriert. nach unserem gestrigen gespräch hab ich mir dann tatsächlich fotos von meiner wohnung angeguckt. irgendwie schien das gegen dieses absurde gefühl des heimwehs zu helfen. ach ja, da steht ja mein sofa. und da ist ja die tolle kaffeemaschine und da der stuhl, der am tisch steht… 

jetzt sind wir noch eine woche hier in berlin am proben und dann geht es nach leipzig, wo wir dann mitte dezember premiere haben. weihnachten bin ich dann zuhause und hole alles nach, was mir in den letzten wochen gefehlt hat. ich warne vor exzessiven weihnachtsgutzischlachten, glühweingelagen, taburunden, larvengebastel und und und.

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3 Antworten zu “ungewohnte gefühle

  1. Jaaa wir wollen Dich wiederhaben!

  2. Das kenn ich wirklich nicht von Dir. Aber ist schön wenn Du bald wieder daheim bist.

  3. Laß uns tauschen! Wenigstens für nen Monat! Hatte diesen Herbst auch ne kleine Heimwehattacke, weg von Basel nach Berlin hin…

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