Monatsarchiv: Oktober 2008

wie sich die zeiten ändern

früher war ich dafür bekannt, immer (und ich meine wirklich immer) schwarz zu tragen. schwarze anzughose, schwarzes t-shirt und/oder pulli, schwarze schuhe. seit ich nun dreissig geworden bin und mir sista einen kleinen „tschut“ in den arsch gegeben hat, lauf ich ganz anders rum: jeans, vans und pullis in schwarz oder braun. heute musste ich mir darum notfallmässig eine schwarze hose kaufen, weil ich für die wiederaufnahmeprobe morgen im anzug dastehen muss und schlichtweg keine derartige hose mit nach berlin genommen hatte. tja, das hängt auch damit zusammen, dass ich meine alten hosen einfach echt nicht mehr tragen konnte.

ja ja, tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

ein pudel in berlin

tja, wie hat euer aller pudel die letzten tage in berlin so verbracht? die proben (und damit der alltag) haben begonnen. wir treffen uns in einem wunderschönen ostigen tanzsaal in prenzlauer berg, um unser stück zu entwickeln. parallel zu den proben, die sich mehrheitlich mit der frage auseinandersetzen, wo es grenzüberschreitungen gibt und wie das theatral zu verarbeiten ist, werden immernoch konzeptionelle gespräche geführt. die finden mal in einer wunderschönen prunkplattenbauwohnung an der karl marx allee oder einfach beim inder um die ecke statt. ein gutes team hat sich hier gefunden. es macht riesen spass einfach rumzuspinnen und das ganze dann arbeit zu nennen. ich bin gespannt, wie das andprodukt dann aussehen wird.

parallel zu den proben für das neue stück finden die vorbereitungen für unser gastspiel eines älteren stückes in prag statt. gestern hab ich mir den ort angeschaut, wo wir am sonntag die wiederaufnahmeprobe haben werden. habe mich nett mit einem psychiater unterhalten, der auch zwischen basel und berlin pendelt. ganz lange hat er nicht gemerkt, dass ich schweizerin bin. nur ein kleiner helvetismus hat mich verraten. man kann wohl seinen wurzeln nicht entfliehen.

von berlin selbst hab ich noch nicht viel gesehen. natürlich häng ich in meiner ecke ab, gehe ab und an in den mörder oder andere bars, aber ausser den geschäftlichen reisen in einen anderen stadtteil, hab ich mitte und prenzlauer berg noch nicht verlassen. morgen hab ich frei. da schwing ich mich dann mal aufs fahrrad (oder velo, muss ja meinen wurzeln treu bleiben) und fahr mal zum palast der republik und radel unter den linden runter. ein bisschen touriprogramm muss auch in der zweiten heimat sein. 

meine vermieterin (ui, klingt das offiziell) ist gestern für sechs wochen nach australien abgehauen. recht hat sie. der winter in berlin ist ja nicht unbedingt sanft. bis jetzt geht es allerdings. es gibt noch tage, an denen man sich in der sonne draussen mit einem buch und kaffee und zigarette hinsetzen und die vielleicht letzten sonnenstrahlen des jahres erhaschen kann. gegenüber vom mörder hat ein möbel verkauf und verleih aufgemacht. er hat sich in den räumlichkeiten des alten white trashs eingemietet. er hat wunderbare stücke. die besten verkauft er aber nicht. ausserdem hat er echt gesalzene preise. ich glaube geshoppt wird wo anders. 

letzten samstag waren wir zu einer abschiedsparty eines alten freundes eingeladen. schlemmen und trinken in der wohnung, wo ich schon viele schöne stunden verbracht habe. die wg wird aufgelöst, weil sie aus der wohnung müssen. das haus wird luxussaniert. ein ziemlich bekanntes problem in der stadt. der freund zieht jetzt aber nicht einfach um die ecke, sondern in eine andere hauptstadt: er zieht nach bern. ganz praktisch, da muss er einfach nur das „li“ aus berlin streichen.  

nun denn, ich schliesse mit einer kleinen umfrage. gehabt euch wohl. euer pudel

one day in berlin

in aller herr gotts frühe ging es gestern los. papa pudel hat mich netterweise zum bahnhof gefahren, der gute. um kurz nach sieben rollte dann der zug richtung norden los. diesmal nicht dekadent in der ersten klasse, sondern mal wieder holzklasse, wie es sich gehört. die nacht vorher hatte ich sehr wenig geschlafen und war darum froh, dass ich mich mit meinem ipod bewaffnet in den sitz schmeissen und so die meiste zeit der reise verschlafen konnte. zum glück hab ich einen ziemlich gesegneten schlaf und wenn es unter mir rollt, fallen die augen ganz automatisch zu. 

in berlin angekommen, suchten wir – also pudel und pudels berliner mitbewohner – nach einer tasse kaffee die sonne und fläzten wunderbar im weinbergspark. tja, die sonne wird wohl in den nächsten wochen nicht unbedingt mein treuster begleiter sein. 

wenn man schon mal in berlin ist, muss natürlich auch kunst sein. also: nach der sonne zur torstrasse 166. es wuselte und zischte, man rempelte und quetschte. es war kurz und ergreifend einfach typisch berlin.

abends dann eine kurze einführung von ipod und itunes (inkl. musiküberspielung vom pudelmac auf mitbewohnerins neuen ipod) bei viel tee mit schnaps, nur um dann um zwölf pudelsista zum geburtstag zu gratulieren.

heute dann ein gemütlicher sonntag ohne grosse pläne. er durfte mal wieder retter in der not spielen, worin er inzwischen ja auch schon ausreichend übung hat. kurz den regisseur vom letzten basler projekt getroffen und jetzt einstimmung aufs berliner projekt.

isch bin ein bärlina

(via)

frau pudel haut dann mal nach berlin ab. mal wieder um da zu arbeiten. ach wie schön. ik freu mir.

raf oder der kreis schliesst sich

(via)

damals hab ich mich noch wissenschaftlich mit der raf auseinandergesetzt. heute geh ich wie so mancher aus reinem vergnügen (?) oder künstlerischem interesse ins kino und schau mir den neuesten film an. im grossen und ganzen war ich positiv überrascht, hatte ich doch einen hollywoodesken film mit viel geballer erwartet. doch vor allem die ästhetik des filmes hat mich sehr angesprochen. im grossen und ganzen wurde die geschichte der raf ziemlich wertneutral aufgerollt. allerdings versucht der film, meiner meinung nach zu viel. zehn ereignissreiche jahre in einen abendfüllenden film zu packen, scheint ein ding der unmöglichkeit zu sein. so werden die einzelnen ereignisse ziemlich schnell abgehandelt, um den erzählfluss am laufen zu halten. die einzelnen figuren werden kaum eingeführt. frühere versuche sich der raf zu näheren scheinen mir sinnvoller zu sein. so verhandelt stammheim, beispielsweise nur die zeit der prozesse oder todesspiel, um ein anderes beispiel zu nennen, setzt mich der zeit des deutschen herbsts auseinander. mit einem derart mikroskopischen blick, lässt es sich viel differenzierter mit der komplexen materie umgehen. dennoch scheint die aktuelle verfilmung ein neues (junges?) publikum anzusprechen, dass bis anhin möglicherweise wenig wissen aus der zeit hatte. vielleicht ermöglicht der film eine neue diskussion und bringt die alten differenzierteren werke zurück ins bewusstsein des publikums.

ergänzung: mama pudel hat mir einen link geschickt, der den film von der opferseite betrachtet und kritisiert. sehr lesenswert.