die letzten tage in berlin, tschechien und kinderhelden

ich scheine mit schlechtem karma nach berlin gereist zu sein. in der kurzen zeit, die ich da war, haben sich zwei langjährige beziehungen in meinem freundeskreis beängstigend dem ende genähert. was strahl ich nur aus? ich halte auf jeden fall die daumen gedrückt, dass sich alles zum guten wendet. das wochenende war dann aber von kurzfristigen aufpäppeltaktionen geprägt: weintrinken, spazieren gehen, im letzten moment die übernachtungsmöglichkeit wechseln, damit krisengespräche geführt werden konnten. jedenfalls bedeuteten die entwicklungen im privatleben, dass ich am montagfrüh alleine, bepackt mit den ganzen requisiten und meinem eigenen gepäck, in den zug richtung tschechien stieg. die schauspieler sollten am folgenden tag folgen.

vorbei am malerischen dresden überquerte ich die grenze nach tschechien zum ersten mal in meinem leben. in ústí nad labem angekommen, wurde ich von der praktikantin des collegium bohemicum, das uns eingeladen hatte am bahnhof abgeholt. mit dem ganzen gepäck ging es erst mal quer durch das städtchen, dem ein gewisser ostflair nicht abzuschreiben ist. in der pension duel angekommen, hatte ich nur kurz zeit, meine tasche schnell etwas zu entladen, bevor es zu einer lesung an der örtlichen uni ging. ich glaube der vortrag zum thema sudetendeutsche war auch sehr spannend – man hatte sogar eine zeitzeugin geladen – leider hab ich kein wort verstanden. tschechisch ist doch schwieriger zu verstehen als man glaubt. dennoch ist es faszinierend, wie viel man allein durch einzelne deutsche worte („wehrmacht“), gestik, mimik und die emotionen der vortragenden zu verstehen glaubt. anschliessend an den vortrag wurde ich in die wohnung geführt, in der am folgenden tag die vorstellung stattfinden sollte. wir wurden von herzallerliebsten bewohnern empfangen. das haus, ein leicht alternativ anmutendes gebäude am rande des industriegebiets von ústí, wartete mit so einigen überraschungen auf. als grösstes problem stellte sich die wohnungstür heraus, die man nicht abschliessen kann. dies mag im alltag nicht von bedeutung sein, wenn das stück aber von einem gez-mann handelt, der versehentlich in einer wohnung einer gemütlichkeitsberaterin eingeschlossen wird und nicht mehr rauskommt, kann so ein kleines detail plötzlich eine riesen bedeutung bekommen. die bewohner des hauses taten aber ihr bestes, so dass man der vorstellung freudig entgegenblicken konnte. langsam war es spät geworden, doch ein bier mit ein paar historikern – und der dekanin der historischen fakultät – passte noch in den zeitplan.

am nächsten morgen, nach einem frühstück mit heissen wienerli und dem anblick von liebevoll drapierten miniaturpanzern und kriegsschiffen, machte ich mich auf, die letzten requisiten zu kaufen. tschechische frühstückszutaten sollten es sein. die nutella, das müsli und die milch fand ich ohne probleme, doch eier waren in dem supermarkt nicht zu finden. kein problem, denkt sich der weitgereiste westeuropäer und fragt mal die erste verkäuferin. leider versteht die weder deutsch noch englisch. bei der dritten dachte ich erfolgreich gewesen zu sein – ich hatte es mit der erklährung: „you know small round things. it comes from chickens.“ und wild mit den armen wedeln probiert. leider führte sie mich erst zum tee und dann zum bier. die mission eierkauf war gescheitert.

jetzt musste ich aber schnell zum bahnhof, die schauspieler und den regisseur, der jetzt zum glück auch kommen konnte, abholen. für die schauspieler hatte meine pension keine zimmer reserviert, obwohl sie es versprochen hatten, so konnten die beiden im besten haus am platze übernachten: dem interhotel bohemia. liebhaber von 70er ost-chic hätten ihre freude. der rest des tages war mit mittagessen, vorstellungsvorbesprechung, treffen mit dem übersetzer am örtlichen theater und kurzem nickerchen ausgefüllt. schon bald machten wir uns in richtung vorstellungswohnung auf. ein bewohner des hauses holte uns alle ab. stolz raste er mit seinem mercedes durch das städtchen. wir waren nur froh, dass wir überhaupt ganz angekommen waren. mannomann, so eine fahrt macht man nur einmal in seinem leben mit. vor ort wurden die schauspieler in ihre „garderobe“, dem fahradkeller, geführt. letzte vorbereitungen wurden getroffen. die vorstellung konnte beginnen.

da nur etwa die hälfte des publikums deutsch konnte, war das stück im vorfeld auf tschechisch übersetzt worden. ein tschechischer schauspieler sass mit in der vorstellung und übersetzte simultan, was die deutschen schauspieler sagten. was jetzt nach chaos klingt, klappte vorzüglich. als der deutsche schauspieler im laufe des stückes aus einem tschechischem buch vorlas, übersetzte der tscheche sogar auf deutsch. ein highlight des abends. die vorstellung war ein riesen erfolg, auch wenn wir selten so einen chaotischen abend erlebt hatten. die angereiste presse, die professoren aus ústí und prag, die tschechischen kulturschaffenden und die bewohner des hauses waren restlos begeistert. so schnell wird das stück wohl doch nicht abgespielt sein, nein, der osteuropäische raum wartet darauf, erobert zu werden! im anschluss an die vorstellung wurde mit viel gulasch und bier heftig gefeiert.

am nächsten morgen ging es dann zurück nach berlin. noch ein paar blicke auf das städtchen geworfen und rein in den zug. abends, nach ein paar stunden berlin, stieg ich dann in den nachtzug nach basel. sardinengleich verbrachte ich die nacht und kam am morgen noch etwas zerknautscht in basel an. schnell unter die dusche gesprungen und schon hiess es das nächste ereignis zu organisieren: am freitag sollte bei meinen eltern zuhause mein geburtstag so richtig gefeiert werden.

sie hat das fest wunderbar zusammengefasst. mir bleibt nur noch allen zu danken. es war ein wahrlich kinderheldenhaftes fest. sogar besuch aus berlin war eingeflogen.

ich beende hier den wohl längsten beitrag dieses blogs, obwohl man noch so viel erzählen könnte, aber irgendwann muss einfach schluss sein.

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Eine Antwort zu “die letzten tage in berlin, tschechien und kinderhelden

  1. wie, jetzt einfach den bericht auf mich abschieben? dann weiss ich schon, wer was über das freitags-fest schreibt… ;-)

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