Monatsarchiv: April 2007

heute scheint der internationale tourettetag zu sein

da sitze ich gemütlich in der sonne vor der mitte. lese meine zeitung, schlürfe genüsslich eine latte freddo, als vom marktplatz her kommend ein schimpfendes mütterchen mit ihrem rollator den weg in die freie strasse sucht. ihre artikulation lässt zu wünschen übrig, so dass der inhalt ihres rumgezeteres nicht verständlich ist, aber die lautstärke und die gestik sprechen für sich. mir tun die leute leid, die direkt von ihr angebrüllt wurden.
keine fünf minuten später kommt ein mittelalterlicher herr in kurzen hosen und wanderschuhen direkt auf die mitte zugelaufen und erzählt irgend was von einem fickenden heiland mit naktem arsch. der konkrete zusammenhang (gab es überhaupt einen) ist mir entfallen. da sag ich nur, heil dir, tourette, trinke aus und gehe weiter bevor der nächste kommt.

juhui. heute geht es mal wieder an ein konzert!

bonnie-prine-billy
(via)

und erst noch an ein konzert von einem waschechten prinzen. das muss ja einfach gut werden. und in begleitung von sista kann nix schiefgehen.
hoffen wir nur, dass der prinz etwas besser singt, als ich letzten samstag…

in sachen coverversionen

da sitz ich in der bibliothek und höre das wunderbar melancholische lied hurt von johnny cash.

doch der alte haudegen hat das lied ja gar nicht selber geschrieben. das ist ja von nine inch nails.

und die allerletzte und wunderbare version stammt von einem traurigen grünen frosch. es zerreisst mir fast das herz.

auf die melancholie!

warum nur hab ich einen so teuren geschmack?

eames-plywood-elephant
(via)

diesen wunderschönen elefant gibt es anlässlich zu charles eames‘ hundertsten geburtstag in einer limitierten auflage zu kaufen, wie ich gestern bei einer führung durch die eamesausstellung im vitra design museum erfahren habe. leider, leider, ist der nicht zu bezahlen. warum nur, kann mir das jemand sagen, hab ich einen so teuren geschmack? denn auch der lounge chair von den eames‘ ist so ein möbelstück, das ich zu gerne mal hätte, wenn ich ihn mir denn leisten könnte.

woran man merkt

rolex
(via)

dass es wieder zeit für die uhren- und schmuckmesse ist:

  • fremdländisch aussehende menschen laufen mit mit schokolade vollgestopften tüten durch die stadt.
  • fremdländisch aussehende menschen knipsen jegliche (mehr oder weniger) sehenswürdigkeit ab. (sie haben auch mit schokolade und uhrenprospekte vollgestopfte papiertüten)
  • beim thai um die ecke wird man plötzlich auf englisch angesprochen.
  • vor der mitte ist der rote teppisch ausgerollt (über den ich natürlich stolziere; nur wo bleiben meine fans?)

lustige kurzmitteilung

nachdem ich gestern beim heimkommen die erste tolle überraschung im briefkasten vorfand – sista hat ein buch geschickt – kam dann abends der echte knüller. das taschentelefon piepste (na ja, eigentlich miaut es ja in meinem fall) und sista hatte diese köstlich kurzmitteilung geschickt:

Unsere Eltern sind stolz mal in einer WG zu leben… Sprich wir haben es echt gemacht, und rauchen einen Joint zusammen. Es lebe Berlin.

ts, ts. immer diese alt-68er. ich muss echt noch in erfahrung bringen, ob mama tasächlich mitgeraucht hat.

die österliche ruhe

bibliothek
(via)

in der bibliothek ist vorbei. die ganzen erstsemestrigen sind zurückgekehrt, haben ihre sonnenstunden am rhein beendet und tyrannisieren uns arme lizgeplagten älteren semester wieder. die zeiten, wo man noch rumstöbern und sich entnervt genüsslich der literatur hingeben konnte, sind vorbei. jetzt hört man immer wieder: „hey, du wie macht man diesen computer an?“ oder: „kommst du nacher auch ins proseminar?“ oder gar: „boa ey, fünfzehn seiten müssen wir da schreiben. mensch ist das viel!“ hallo! das ist eine bibliothek und hier hat ruhe zu herrschen!
zum glück hab ich gute kopfhörer, mit denen ich mich zurückziehen und den palaver palaver sein lassen kann. das wird vor allem dann absurd, wenn man über die isolationshaft der raf-gefangenen in stammheim schreibt und sich selber so abschottet, dass man am abend das gefühl hat, man hätte selbst den ganzen tag in isolationshaft verbracht.